Ford-Werke und Ihre Zukunft

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Ford stellt Standort Köln in Frage

Von Daniel Behruzi

 
Die Abwärtsspirale bei Löhnen und Arbeitsbedingungen in der europäischen Autoindustrie dreht sich weiter. Über das nächste Kürzungspaket wird offenbar gerade bei Ford in Köln verhandelt. Wie am Wochenende bekannt wurde, droht der US-Konzern, die Fiesta-Produktion 2016 aus der Domstadt abzuziehen und ins rumänische Craiova zu verlagern. Das Modell läuft mittlerweile in der siebten Generation in Köln vom Band und ist der einzige dort gefertigte Pkw. Eine Verlagerung würde daher das Ende des traditionsreichen Standorts einläuten. Die Belegschaft könne dies verhindern, indem sie »flexibler, effizienter und billiger« arbeite als bisher, hieß es.

Es ist das sattsam bekannte Lied der Erpressung, dem die Ford-Spitze eine weitere Strophe hinzufügen will. Bereits Mitte der 1980er Jahre hatte der Autobauer hierzulande die erste Standortvereinbarung zur Kostensenkung erreicht, indem er mit dem Abzug von Investitionen wegen »zu hoher Lohnkosten in Deutschland« drohte. Ähnliches wiederholte er seither mehrfach in all seinen europäischen Fabriken.

Werksschließungen und Jobabbau hat das freilich nicht verhindert. Dem aktuellen Sparprogramm sollen rund 6000 der 47000 Jobs in Europa zum Opfer fallen. Die Werke im belgischen Genk sowie in Dagenham und Southampton in Großbritannien werden dichtgemacht. Auch diese Belegschaften hatten in der Vergangenheit die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und die Kürzung von Löhnen zugelassen, um ihre Arbeitsplätze zu retten. Genutzt hat das nichts.

Dennoch ist von den hiesigen Betriebsrats- und Gewerkschaftsspitzen nicht allzuviel Gegenwehr zu erwarten. Denn diese haben stets bereitwillig mitgemacht, wenn es darum ging, den »eigenen« Standort auf Kosten der ausländischen Konkurrenz – sprich: der dortigen Kollegen – zu sichern. Zuletzt hatte sich die belgische Gewerkschaft ABVV vor gut einem Jahr über mangelnde Solidarität mit den Genker Ford-Arbeitern beschwert. Der Limburger ABVV-Präsident kritisierte seinerzeit im jW-Interview: »Statt sich in Krisenzeiten gegenseitig zu helfen, versuchen die deutschen Gewerkschaften – insbesondere die IG Metall! –, die eigenen Standorte zu sichern.«

Daß diese Strategie nicht weit trägt, zeigt sich jetzt. Fraglich ist allerdings, ob die aktuelle Verlagerungsdrohung überhaupt ernstgemeint ist. Denn ginge es allein um die Lohnkosten, stünde wohl außer Frage, wie die Entscheidung ausgeht: Mit knapp fünf Euro pro Stunde verdienen die rumänischen Arbeiter einen Bruchteil soviel wie ihre Kölner Kollegen.

Schon das zeigt: Verzicht ist keine Lösung. Irgendjemand, der es billiger macht, findet sich immer. Die Alternative wäre Widerstand, der das Image des Konzerns auf einem seiner wichtigsten Absatzmärkte trifft und eine Schließung teuer macht. Doch wer – wie die Betriebsratsspitzen bei Ford und anderswo – die Standortkonkurrenz akzeptiert, wird diesen Weg nicht gehen. Oder erst dann, wenn es zu spät ist.
Dr. Carl-Ludwig Voss

Berater

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ehem. BR. Rahmi YENI